Noch nicht da gewesen: Bunte Kacheln

Allerlei glasiertes, wie Bodenfließen, Dachziegel und natürlich Ofenkacheln haben wir bereits gefunden. Vorwiegend die Ofenkacheln gehören zu den schönsten Funden, die bisher auf Burg Wersau gemacht wurden. Sie alle haben bisher etwas gemein: Sie sind monochrom, also einfarbig. Meistens Grün, manchmal auch Schwarz.

Die bisher gefundenen Ofenkacheln sind vorwiegend monochrom

Wer sich ein wenig über die Ofenkacheln des späten Mittelalters bis in die Renaissance informiert, stellt schnell fest, dass in vornehmen Häusern durchaus auch bunte Kacheln verbaut waren. Diese dürften natürlich wesentlich teurer gewesen sein, was aber ein wichtiges Schloss der Grafen vom Rhein, Kurfürsten und eines der reichsten Geschlechter des Reiches nicht davon zurückgehalten haben sollte.

Allerdings sind die bisherigen Grabungen hauptsächlich im Vorburgbereich und in der Nähe der Mühle angelegt gewesen. Dies hat sich in dieser Saison geändert und die Grabungen gehen jetzt massiv in die Richtung der Kernburg, was ja bekanntermaßen vermutlich im 15. Jahrhundert zum Schloss umgebaut wurde. Und tatsächlich kam es in den letzten Wochen zum Ersten mal zum Fund einer „Luxusvariante“ der alte Ofenkacheln

Man erkennt hier zunächst nur eine Hand, die einen länglichen Gegenstand hält. Die Linke Hand ist ebenfalls angedeutet und möglicherweise handelt es sich um ein Musikinstrument, z.B. eine Flöte. Charakteristisch sind die Ärmel hinter der Hand, die genau jenen Zaddeln sehr ähnlich sind, die vorwiegend von den Landsknechten des frühen 16. Jahrhunderts getragen wurden. Weiter oben erkennt man ein weiteres Kleidungsstück, das ebenfalls geschlitzt ist.

Zeitlich würde das sehr gut zu den vermutlichen Umbauten in der frühen Renaissance passen, deren steinerne Zeugen in Form der typischen Sandsteinbearbeitung, wir auf dem Burggelände in großen Mengen gefunden haben. Und einmal mehr macht dies deutlich, dass wir noch längst nicht alle Möglichkeiten mehr über das Schloß und die Burg zu erfahren, ausgeschöpft haben.