Eine archäologische Grabung auf dem Gelände der Burg Wersau hat am vergangenen Wochenende eine überraschende Entdeckung zutage gefördert. Statt der erwarteten Überreste des ehemaligen Burggrabens stießen die Forschenden auf Teile eines bislang unbekannten Kellergewölbes.
Die Entdeckung kam für das Grabungsteam völlig unerwartet. Nach bisherigen Annahmen sollte sich an der untersuchten Stelle der Verlauf des historischen Burggrabens nachweisen lassen. Entsprechend war die aktuelle Grabungskampagne darauf ausgerichtet, diese Struktur freizulegen und genauer zu dokumentieren.
„Mit einem solchen Fund haben wir an dieser Stelle nicht gerechnet“, erklärte eine Sprecherin des Grabungsteams. „Das deutet darauf hin, dass die bauliche Entwicklung der Burganlage komplexer gewesen sein könnte als bislang angenommen.“

Die freigelegten Mauerreste eines unterirdischen Gewölbes liefern den archäologischen Nachweis für die in Quellen des 17. und 18. Jh. erwähnten Kellergewölben, von denen bisher angenommen wurde, dass sie vollständig zerstört wurden. Das lässt hoffen, dass solche unterirdischen Strukturen auch an anderer Stelle noch vorhanden sein könnten. Erste Untersuchungen sollen nun klären, aus welcher Bauphase der Burg das Gewölbe stammt und welche Funktion es ursprünglich erfüllte.
Die Arbeiten auf dem Gelände werden in den kommenden Wochen fortgesetzt. Interessierte haben dabei schon bald die Gelegenheit, die Archäologen direkt bei ihrer Arbeit zu beobachten: Am kommenden Wochenende (1. bis 3. Mai 2026) findet auf dem Gelände des Archäologieparks Burg Wersau eine Veranstaltung statt, bei der mittelalterliches Leben anschaulich dargestellt wird. Besucherinnen und Besucher können dabei nicht nur historische Handwerkskunst und Alltagsszenen erleben, sondern auch einen Einblick in die laufenden Grabungen erhalten.
Der unerwartete Fund zeigt einmal mehr, dass selbst gut erforschte historische Stätten noch immer Überraschungen bereithalten – und macht die bevorstehende Veranstaltung zu einem besonders spannenden Erlebnis für Geschichtsinteressierte.
Text: Benny Schaich-Lebek
