Baden-Württembergs Landesarchäologe lobt Ausgrabungen auf der Burg Wersau und ehrenamtliches Engagement

Professor Dr. Dirk Krauße zu Gast im Rathaus

Als höchsten Repräsentanten der Archäologie in Baden-Württemberg hat Bürgermeister Stefan Weisbrod Professor Dr. Dirk Krauße im Rathaus begrüßt. Sichtlich beeindruckt war der Vertreter des Landesamtes für Denkmalpflege von den Bemühungen um die wissenschaftliche Erforschung der Burg Wersau.

Als „höchst interessant und unglaublich spannend“ sieht Krauße das „exzellente Zusammenspiel“ zwischen der wissenschaftlichen Tätigkeit der Universität Heidelberg, dem Amt für Denkmalpflege und dem enormen örtlichen bürgerschaftlichen Engagement. Gerade mit dem breiten ehrenamtlichen Engagement des Arbeitskreises Burg Wersau sieht er das kulturhistorische Projekt in Reilingen landesweit in einer „außerordentlichen Sondersituation“. Vermutlich sei es auch die einzige Grabung landesweit, bei der Kinder und Jugendliche eingebunden und beteiligt sein und damit Archäologie und Geschichte hautnah erleben könnten.

In einem intensiven Austausch der zahlreichen Beteiligen wurden die vielseitigen Möglichkeiten des weiteren Vorgehens ausgelotet und seitens des Landesamtes für Denkmalpflege die notwendige Unterstützung zugesagt.
Foto: Gemeinde

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Werkzeug des Archäologen: Der Pantograf

Eines der wichtigen Werkzeuge für Archäologen ist der sogenannte Pantograf, ein Ding aus Schnüren und Metall mit dem man Einen Befund in eine Zeichnung übertragen kann. Am Wochenende befand sich dieser wieder einmal auf der Burg Wersau im Einsatz. Das Prinzip des Pantografen ist es mittels Dreiecksübertragung ein vorhandenes Bild zu verkleinern. Durch die Grabungssituation ist das allerdings nicht so einfach und führte zur Erfindung eines Gerätes das mit Schnüren und spezieller Mechanik funktioniert. Am besten man schaut sich das „Ding“ einmal auf einem Bild an:

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Weiter geht’s im Burggraben

Weiter geht es im alten Burggraben. In den letzten Wochen haben unsere Ausgräber den Burggraben bis zu seiner letzten Tiefe ausgehoben, das heißt, bis zu dem Punkt an dem er verschüttet wurde.

Hier zeigt sich jetzt ein deutlich anderes Bild: Scherben und Steine zu Hauf. Da der Burggraben immer auch als Müllgrube verwendet wurde findet man darin zahlreiche Teile weggeworfener Artefakte. Fast immer handelt es sich dabei um das was am besten Erhalten bleibt, nämlich die Scherben keramischer Geräte.

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Erstes Lichterfest auf der Wersau sorgte für Begeisterung und Gänsehautmomente

Ein nicht besseres Wetter konnten die Mitglieder des Arbeitskreises Burg Wersau und des Fördervereins erwischen, als sie am Samstag, den 14. Juli 2018 zum ersten Lichterfest auf der Wersau einluden. Die Veranstaltung begann bereits am Nachtmittag und so konnten sich die Besucher den hübsch hergerichteten und stets gepflegten Archäologiepark aus der Nähe und zunächst bei Tageslicht anschauen. Hella Müller, die Leiterin des Arbeitskreises Burg Wersau, führte mehrmals sachkundig über das Gelände und erklärte die einzelnen Grabungsschnitte. Zum frühen Abend füllte sich das Burgareal zusehends und die fleißigen Helfer bekamen nach und nach immer mehr zu tun. Glücklich über den regen Zuspruch sorgten diese mit kühlen Getränken, Kaffee und Kuchen sowie allerlei Leckereien wie zum Beispiel Pulled Pork mit Kraut im Brötchen, Wildschwein- und Rindsbratwürsten sowie Brötchen mit vegetarischem Brotaufstrich für das leibliche Wohl der Besucher. Die Band „Stonehenge“ um den Sänger Klaus Städtler rundeten mit handgemachter Musik das stimmungsvolle Ambiente ab.

Die Wersau aus einem anderen Blickwinkel sehen

„Unser erstes Lichterfest soll die Reilinger Bevölkerung auf eine ganz eigene Art und Weise mit unserer Burg verbinden“ so Dirk Müller, der erste Vorsitzende des Fördervereins Burg Wersau. „Wir möchten mit dieser Veranstaltung für magische Momente mit Gänsehaut sorgen und unsere Begeisterung mit den Reilingern teilen“. Und so kam es auch. Die Hockenheimer Lichtkünstlergruppe Pendeloque setzte bei eintretender Dunkelheit die vorher in akribischer Kleinarbeit eingerichtete Illumination in Gang. Mehrfarbige Lichteffekte setzten nicht nur die verschiedenen Grabungsschnitte in Szene, sondern auch die umliegenden Bäume, Sträucher und auch den Aussichtshügel. Mit dieser professionellen Ausleuchtung wurde eine magische Atmosphäre geschaffen, der man sich nicht entziehen konnte, es hatte etwas von Zauberwald. Ein weiteres Highlight der Beleuchtung war ein durch mehrere kleinere bewegte Leuchten erzeugtes Bild, welches die Spiegelungen eines fließenden Gewässers simulierte.

Begeisterung pur

Zur hellen Freude der Helfer des Lichterfestes nahm die Bevölkerung dieses Ambiente mit Begeisterung auf und sparte nicht mir Komplimenten über das gelungene Fest. Als ganz besonderer Programmpunkt gab sich gegen Ende der Kurfürst in Form von Peter Geng ein Stelldichein und erfreute die immer zahlreicher erschienenen Gäste mit seinen Sangeskünsten, lud sogar zum Mitsingen ein, was gerne angenommen wurde.
Nach Ende der Veranstaltung sah man jede Menge glückliche Gesichter und auch die Wersauer waren erfreut, dass das Fest so gut ankam. „Wir sind kaputt und verschwitzt, aber so was von happy“ so Dirk Müller, der Vorsitzende des Fördervereins „und das wird mit Sicherheit nicht das letzte Lichterfest sein. Wir möchten damit nachhaltig die Bindung der Bevölkerung an die ehemalige Burg Wersau stärken. Und so macht es am meisten Spaß“.
Unser Dank gilt den Rasenpartnern, den Stadtwerken Hockenheim, der Sparkasse Heidelberg, Getränke Gögele sowie der Gemeinde Reilingen für die Unterstützung bei der Durchführung des Festes. Einen ganz besonderen Dank gilt der Hockenheimer Lichtkünstlergruppe Pendeloque, die mit Begeisterung an das Projekt heranging und für eine unvergleichliche Stimmung sorgte. Ohne diese tolle Truppe wäre das Fest kein so toller Erfolg geworden. Vielen Dank auch an die zahlreichen Helfer.

Wir haben für Euch ein Album mit den Bildern vom Lichterfest erstellt. Hoffe sie gefallen Euch

Text: Andreas Dörfer

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Burg Wersau – Das erste Mal auf einer Ausgrabung

von Leonie Apostel und Alexander Marder

Am 11. November 2017 waren wir zu Besuch auf dem Gelände der Burg Wersau in Reilingen
in der Nähe von Heidelberg. Wir sind Studierende des Karlsruher Instituts für Technologie
der Fachrichtung Wissenschaft – Medien – Kommunikation und momentan im 3. Semester.
Für die Übung Medien- und Öffentlichkeitsarbeit hatten wir den Auftrag, uns dort
umzusehen und die Archäologen, Ehrenamtlichen und den Arbeitskreis zu ihrer Tätigkeit zu
befragen, um daraus einen Beitrag zu erstellen, der entweder auf dem Blog der Burg
Wersau, dem WMK Blog, dem Campusradio oder auf anderen medialen Formaten
erscheinen sollte. Wir haben uns entschieden einen Beitrag für die Burg Wersau zu verfassen
und dahingehend die Beteiligten ein bisschen ausgequetscht.

Doch was ist die Burg Wersau überhaupt?

Für die die es noch nicht wissen: Bei der Burg handelt es sich um eine abgegangene
Niederungsburg. Das bedeutet, dass von der Burg, welche auf einer Ebene oder sogar im Tal
liegt, noch weniger erhalten ist, als von einer Burgruine. Das Land, auf dem sie gebaut
wurde, gehört zur heutigen Gemeinde Reilingen.
Da die Burg historisch wichtig ist, ihre Geschichte jedoch weitestgehend unerforscht war, ist
seit 2010 eine Arbeitsgruppe dabei, das Gelände nach Funden zu durchforsten. So soll der
genaue Bauplan und die Bedeutung der Burg rekonstruiert werden.
Wir haben uns vor allem mit dem Archäologiestudenten Jonas unterhalten, der seit
mehreren Jahren ehrenamtlich bei der Grabung mithilft. Er hat uns vom Alltag bei einer
Grabung und von deren genauen Ablauf erzählt, woraus wir eine Checkliste mit den
einzelnen Schritten erstellt haben. Für diejenigen unter uns, die schon immer mal selbst eine
Ausgrabung in die Wege leiten wollten!

Ausgrabung to go:
Die Voraussetzung einer jeden Grabung ist die Vermutung, an der Stelle etwas Interessantes
finden zu können. Ist diese nicht gegeben, wäre eine Grabung unsinnig.
Stellen Sie sich aber nun vor, dass Sie beispielsweise bei Bauarbeiten auf dem eigenen
Grundstück auf Teile einer ehemaligen Burg stoßen. Was nun? Wie wird vorgegangen?
1. Genehmigung: Die Bürokratie ruft! Zuerst muss ein Antrag ans Denkmalamt gestellt
werden, dass an vorgesehener Stelle überhaupt gegraben werden darf. Ist der
Grabungsleiter nicht Eigentümer vom Grundstück, braucht er selbstverständlich auch die
Genehmigung vom Besitzer – entweder einer Privatperson oder der Gemeinde. Sind alle
Anträge bewilligt kann es auch schon losgehen
2. Grabungsraster anlegen: Das gesamte Gelände wird vermessen und die Fläche in
Quadrate eingeteilt, sodass ein Vermessungsnetz entsteht auf dem man etwaige Funde
später vermerken kann.
3. Erster Schnitt: Je nachdem auf was für einem Gelände man sich befindet erfolgt der erste
Schnitt von Hand oder mit technischer Hilfe. Ist das Gelände zum Beispiel ein ehemaliger
Parkplatz – der Grund also betoniert oder geteert – wird die obere Schicht mit einem Bagger
abgehoben. Handelt es sich um normalen Boden, wird direkt von Hand – mit Hilfe von
Spaten, Schaufeln und Kellen – begonnen zu graben. Hat man die gewünschte Tiefe erreicht,
wird der Boden glatt gekratzt, um Erdverfärbungen, Textur des Untergrunds oder
Einschlüsse besser erkennen zu können.

 

 

 

 

 

 

4. Einmessen: Wenn man dann tatsächlich einen auffälligen Fund auftut oder sonstige
Auffälligkeiten am Boden bemerkt, werden diese genau mit einer Vermessungsstation, dem
so genannten Tachymeter, eingemessen. Sie gibt die exakte Position des Fundes an. Wird
solch eine Station auf der Burg Wersau benötigt, dann wird sie vom Frühgeschichtlichen
Institut Heidelberg ausgeliehen.

Manchmal stößt man
auch auf seltsame
Funde, die keinen
Sinn ergeben, da sie
zeitlich nicht zur
Fundstelle passen.
Auch auf der Burg
Wersau gab es solch
einen Fund, dessen
Ursprung bis heute
nicht geklärt werden
konnte.

 

5. Dokumentation: Diese Informationen werden im Grabungssystem eingetragen.
Bei der Dokumentation gibt es folgendes 3-Schritte System:
1. Beschreiben: Wo auf dem Gelände wurde was gefunden?
2. Fotografieren: Die Funde werden zur Katalogisierung als Fotografie festgehalten
3. Zeichnen: Um individuelle Eindrücke mit einzubeziehen, wird der Fund ebenfalls von Hand
gezeichnet. Da der Fund aus mehreren unterschiedlichen Dingen bestehen kann wird er in
der Zeichnung so dargestellt wie der Zeichner den Fund interpretiert. Beispielsweise können
unbedeutende Einzelheiten bei einer Zeichnung weggelassen werden. Bei einer Fotografie
hingegen wird keine Entscheidung getroffen, da der Fund tatsächlich so abgebildet wird wie
er vorgefunden wurde. Auf einem Foto sind also sämtlichen Details zu sehen, die unter
Umständen aber auch irrelevant sind und vom Wesentlichen ablenken können.
Die Funde werden ausgewertet, katalogisiert und eingelagert. Doch nicht alle Funde
verschwinden in einem Archiv – auf besonders wertvolle Ausgrabungsstücke, wie Münzen
oder komplett erhaltene Gegenstände, wartet der Aufenthalt als Ausstellungsstück in einem
Museum.

Auf der Burg Wersau gibt es sogar ein ganz eigenes
kleines „Freilichtmuseum“ mit Funden vom Gelände:

6. Zwei Möglichkeiten die Grabung weiterzuführen:
Planumsgrabung: Hierbei wird die Erde horizontal, in gleich dicken Schichten abgehoben,
sodass eine ebene Fläche zurückbleibt, die dokumentiert wird.
Stratigraphische Grabung: Die einzelnen Schichten werden ihrem natürlichen Verlauf
folgend abgetragen, was einen deutlich höheren Zeitaufwand, aber auch eine viel bessere
Zuordnungsmöglichkeit der Funde mit sich bringt.
In der Praxis wird meistens jedoch eine Mischung aus beidem angewendet, abhängig von der
zur Verfügung stehenden Zeit oder der Dringlichkeit, exakte Zuordnungen machen zu
müssen.
7. Publikation: Im besten Fall endet jede Ausgrabung damit, dass die Ergebnisse in einer
Publikation festgehalten werden, auch damit die Erkenntnis an künftige Forscher oder
Interessierte weitergegeben werden kann. Darin werden Funde aufgegriffen und in
Zusammenhang mit der bisherigen Geschichte des Ortes und der Umgebung gesetzt. Am
besten sollte diese Arbeit von jemandem geschrieben werden, der selbst bei der Ausgrabung
beteiligt war.

Burg Wersau – eine Zukunftsvision

Dass es bei einer Ausgrabung nach einer gewissen Zeit nichts mehr zu finden gibt, ist klar –
was aber passiert mit dem Gelände dann?
Für das Projekt „Burg Wersau“ gibt es diverse Visionen, was nach Beendigung der
Ausgrabung mit dem Gelände geschehen könnte. Zum einen wäre es denkbar ein Museum
mit den dort zutage gebrachten Fundstücken zu eröffnen, andere Pläne zielen auf die
Umsetzung diverser pädagogischer Konzepte ab, welche das Interesse und die Mitarbeit von
Schülern an der Archäologie fördern sollen.
Fest steht zu diesem Zeitpunkt, dass die Ausgrabung die nächsten Jahre noch weiterlaufen
wird wie gehabt, und im Laufe der Zeit dann der künftige Verbleib weiterverhandelt wird. Weiter lesen ...

Grabungssaison 2018 in vollem Gange

Seit Anfang März ist die neue Grabungssaison angelaufen. Bedingt durch die Minustemperaturen Ende Februar war der Boden gefroren und deshalb konnte nicht eher gegraben werden.

Erneut sind Studenten der Universität Heidelberg auf dem Anwesen der ehemaligen Burg Wersau, um hier eine Lehrgrabungskampagne durchzuführen. Unterstützt werden sie vom Grabungsleiter der Universität Heidelberg Justin Schmidt. Derzeit werden die Fundamente eines Gebäudes aus dem 16. Jahrhundert freigelegt. Wer schon eine Weile nicht mehr auf dem Areal der Burg Wersau war, wird sich wundern, wieviel hervorragende Arbeit hier geleistet wurde.

Die Grabungsarbeiten sind hervorragend vorangekommen

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Medienwirksame Unterstützung der Burg Wersau durch Karlsruher Studenten

20 Studenten aus dem 3. Bachelor-Semester Wissenschaft-Medien-Kommunikation des Karlsruher Instituts für Technologie (Abteilung Wissenschaftskommunikation) sowie die Dozentin Lisa Leander besuchten am 11.11.2017 das Grabungsareal der ehemaligen Burg Wersau.

Deren Projekt über die nächsten Wochen wird es sein, wie man am Beispiel der Burg Wersau die Öffentlichkeitsarbeit mit multimedialen Beiträgen unterstützt, um die Akzeptanz der Bevölkerung in Reilingen sowie in den umliegenden Gemeinden für solche arbeits- und geldintensiven Ausgrabungs- und Forschungsarbeiten zu steigern und allgemein das Interesse zu wecken. Nicht jedem ist bewusst, mit wieviel persönlichem Engagement die ehrenamtlichen Mitarbeiter solcher Ausgrabungen dies überhaupt erst möglich machen und darauf gilt es hinzuweisen. Fördervereine sorgen dafür, dass die Kassen der Kommunen möglichst gering belastet werden und zudem soll in Zukunft bei entsprechender Nachfrage ein Ausgrabungscamp auf der Burg Wersau weitere Einnahmen bringen.

Mit diversen Konzepten zum Erfolg

Die Studenten der Abteilung Wissenschaftskommunikation des KIT haben sich mehrere Themenschwerpunkte ausgesucht, um hier möglichst breit gefächerte Unterstützungsarbeit leisten zu können. Nach erfolgter Begrüßung durch Hella Müller, der Leiterin des Arbeitskreises Burg Wersau, führte Justin Schmidt, der Grabungsleiter der Universität Heidelberg durch die unterschiedlichen Bereiche des Ausgrabungsareals.

Große Vorfreude bei den Studenten und dem AK Burg Wersau

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