Weiter geht’s im Burggraben

Weiter geht es im alten Burggraben. In den letzten Wochen haben unsere Ausgräber den Burggraben bis zu seiner letzten Tiefe ausgehoben, das heißt, bis zu dem Punkt an dem er verschüttet wurde.

Hier zeigt sich jetzt ein deutlich anderes Bild: Scherben und Steine zu Hauf. Da der Burggraben immer auch als Müllgrube verwendet wurde findet man darin zahlreiche Teile weggeworfener Artefakte. Fast immer handelt es sich dabei um das was am besten Erhalten bleibt, nämlich die Scherben keramischer Geräte.

Wie man auf dem aktuellen Bild erkennen kann, besteht die Verfüllung aus vielen kleinen Schichten. Die Archäologen gehen davon aus, dass es sich dabei um den Eintrag der höher liegenden Burgaufschüttung durch Erosion gehandelt hat. Weiter oben erkennt man dann den letzten Akt bei dem offensichtlich das gesamte Gelände bei Abriss der Burg planiert wurde.

Am untersten Ende der  feinen Schichten beginnt dann die Zeit zu der der Graben auch als Müllabladeplatz verwendet wurde. Auf diesem Foto kann man deutlich erkennen wie die letzte Schicht über dem mit Scherben und Steinen verfüllten Graben noch vorhanden ist. Darunter findet man das:

Deutlich erkennt man die Scherben von Tellern und Bechern. Das gelbe Material ist bereits glasierte Ware. Häufig findet man die Glasierung nur auf der Innenseite von Töpfen und Krügen, da hiermit das Eindringen von Flüssigkeit in den Ton verhindert wird. Damit können wir davon ausgehen, dass diese Funde aus der frühen Neuzeit stammen, also dem 15. oder 16.Jahrhundert. Im Mittelalter wurden Gebrauchswaren nicht glasiert. Wer einmal versucht hat aus einem nicht glasierten Tongefäß zu trinken wird gleich den Unterschied erkennen: Man pappt sofort mit der Lippe am Becher fest.

Die Masse an Becherfunden zeigt, dass die unglasierte Ware fast wie Einweggeschirr verwendet wurde. Wohl auch, weil ein benutzter unglasierter Becher sicherlich immer nach dem letzten Getränk riecht, das er enthielt.

Was aber erzählen uns die vielen Schichten in denen kein Müll mehr vorkommt? Offensichtlich endete das rege Treiben auf der Burg relativ aprubt und danach gab es eine lange Zeit nur natürliche Erosionseinträge in den Graben. Das deckt sich mit dem was wir über Burg Wersau wissen, nämlich, dass die Burg bis zum 16. vielleicht auch noch im frühen 17. Jahrhundert intensiv genutzt wurde. Im 30 jährigen Krieg zerstört, wurde offensichtlich nie mehr so darin gelebt wie vorher – zumindest in der Kernburg, vor der wir uns in diesem Schnitt befinden

Wie wir ja aus anderen Quellen wissen wurde die Burg in zwei Phasen Ende des 18. und im frühen 19. Jahrhundert abgerissen und stand vorher lange Zeit als Ruine vor Reilingen. Damals übrigens eher als Schloß bezeichnet.

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