Eine „kleine Sensation“ in Reilingen: Grabungsfund auf Gelände der Burg Wersau

Artikel aus der Rhein-Neckar-Zeitung vom 22.12.2016 – von Anna Becker

Geschichte kann weitergeschrieben werden: Bei Grabungen auf dem Gelände der Burg Wersau ist die Zeitkapsel der Mühle entdeckt worden

Wie groß ihr eigener „Schatz“ war, den die kleine Johanna Luise Babette Gelb einst in ein Säckchen packte? Vier Kreuzer lagen darin, als im Jahr 2016 die Menschen, die an den Ausgrabungsarbeiten der Burg Wersau beteiligt sind, den Beutel wieder in ihren Händen hielten. Zwischen der Gabe des Mädchens aus Reilingen und dem Fund liegen immerhin 147 Jahre. Johanna Gelb lebte seinerzeit in der Mühle, die der Burg folgte.

In einer kleinen Schatulle sind historische Zeitdokumente verborgen

In einer kleinen Schatulle sind historische Zeitdokumente verborgen

Eine Reilingerin, die als Kind des Georg Ludwig Zahn und seiner Frau Barbara Agatha geborene Lehlbach von Ladenburg geboren wurde. Im Jahr 1852 war das, genau fünf Jahre, nachdem ihr Vater die Mühle für 20.000 Gulden gekauft hatte. Für die Geschichtsforscher in Reilingen ein wichtiges Datum. Denn Zahn sollte jener Mensch sein, der für wichtige Umbauarbeiten an der Mühle sorgte. Das Geld seiner Tochter war damit ein Teil dessen, was in einem kleinen, metallenen Kästlein im Grundstein eingemauert wurde.
Ein Stück Geschichte zum Anfassen, das jetzt wiedergefunden wurde. Am 26. März 1869 gaben Jakob Zukop, Georg Zahn sowie Babette, Theodor und Johann Zahn ihren Segen. Ein Schriftstück erzählt von diesem Wirken. Darauf steht: „Es walte Gottes Segen in diesem Haus und mit Eintracht sollen Liebe gehen allzeit ein und aus. Gott beschütze das Haus und gebe seinen heiligen Frieden und Segen. Wersauerhof, den 26. März 1869.“ Für Dr. Folke Damminger, Gebietsreferent des Landesamtes für Denkmalschutz, war es ein Glücksfund.
Denn die Mühle war bis 1959 die letzte Funktionseinheit der einst hier bestandenen Burg. Vor zwei Jahren wurde sie abgerissen. „Ein Teil der Grundmauern der Mühle stammten immerhin aus dem 16. Jahrhundert“, erläuterte er.

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Justin Schmidt und Dr. Folke Damminger

Man habe einen Mühlkanal entdeckt und sogar Hölzer im schlammigen Boden, die seit 1567 für Stabilität der Gebäude sorgten. Den Grundstein des Mühlenumbaus zu finden, war für ihn und Justin Schmidt, der als Grabungsleiter vor Ort fungiert, „eine kleine Sensation.“ Dass sie noch weit mehr finden sollten, hatten sie nicht zu hoffen gewagt. Doch mit der Zeit wurde deutlich, dass der Stein eine Glasscheibe enthielt. Eine Zeitkapsel befand sich darunter, die gerne geborgen wurde. Das kleine Kästlein darin überlieferte dann Wissenswertes aus seiner Zeit: Wie hoch der Preis für einen Malter Spelz war oder auch wie die Besitzverhältnisse der Geschwister Zahn geregelt waren.

Erwähnung fanden auch der Erbauer der Mahlmühle, die Maurer Abraham und Jakob Böhm sowie die Zimmermeister Peter Schmeckenbecher und dessen Sohn aus Hockenheim sowie unzählige weitere Arbeiter. Für die Mitglieder des Arbeitskreises Wersau sowie die Vertreter des Landesamtes war dies ein wertvoller Fund, der helfen wird, die Geschichte der Burg Wersau weiterzuschreiben.

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