Tag des offenen Denkmals

Gemeinsam Denkmale erhalten

Strahlend blauer Himmel und hohe Temperaturen empfing die über 300 Besucher beim Tag des offenen Denkmals am 11. September 2016 auf dem Ausgrabungsareal der ehemaligen Burg Wersau und auf den umliegenden Kisselwiesen.

Viele interessierte Bürger aus Reilingen und den umliegenden Gemeinden sowie einige Gemeinderäte, ehemalige Bürgermeister und sogar eine 50-köpfige Delegation aus dem kleinen Städtchen Wersau im Odenwald kamen zu Besuch, um einen Einblick in die Ausgrabungen der Burg Wersau zu bekommen.

Willy Krüger begrüßte die anwesenden Gäste

Willy Krüger begrüßte die anwesenden Gäste

Doch an diesem Tag ging es nicht nur um die Ausgrabung selbst, sondern auch darum, dass das diesjährige Motto am Tag des offenen Denkmals wie zugeschnitten auf das Projekt Wersau passte. So betonten Hella Müller, Leiterin des Arbeitskreises Burg Wersau, Bürgermeister Stefan Weisbrod, der Landtagsabgeordnete Manfred Kern (die Grünen), Dieter Rösch (BUND) und Justin Schmidt (Grabungsleiter des Landesamtes für Denkmalpflege) in ihrer Begrüßungsrede die in dieser Form fast einzigartige Kombination der Zusammenarbeit.

Bürgermeister Stefan Weisbrod, Landtagsabgeordneter Manfred Kern (die Grünen) sowie die Leiterin des Arbeitskreises Burg Wersau Hella Müller (v.l.n.r.)

Bürgermeister Stefan Weisbrod, Landtagsabgeordneter Manfred Kern (die Grünen) sowie die Leiterin des Arbeitskreises Burg Wersau Hella Müller (v.l.n.r.)

 

 

 

 

 

 

Justin Schmidt, Grabungsleiter des Landesamtes für Denkmalpflege während seiner Begrüßungsrede

Justin Schmidt, Grabungsleiter des Landesamtes für Denkmalpflege während seiner Begrüßungsrede

Diese soll auch in Zukunft als Grundlage für Erforschung der Geschichte des Ortes Reilingen dienen und die Umsetzung des Archäologieparks Wersau ermöglichen.

Letzterer ist bereits in seinen Grundzügen zu erkennen: Die verschiedenen Grabungsareale wurden durch Wege miteinander verbunden und mit Infotafeln versehen. Ein Aussichtshügel, welcher die früheste Burgphase in Form einer sog. Motte (Befestigter Wohnturm auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel) symbolisieren soll, sowie der Bachlauf der Mühle wurden ebenfalls angelegt, um den Besuchern einen Eindruck von dem Gelände der ehemaligen Burg zu vermitteln. Zukünftig sollen die Gebäudegrundmauern deutlich  im Gelände sichtbar gemacht werden und neben den bestehenden Ausstellungsflächen weitere hinzugefügt werden – eine große aber lohnenswerte Herausforderung für den Arbeitskreis Wersau. Gerade hier erhofft man sich weiterhin die Unterstützung der Gemeinde um die Attraktivität Reilingens um eine kulturelle Komponente zu erweitern.

Der Aussichtshügel, welcher die früheste Burgphase in Form einer sog. Motte (Befestigter Wohnturm auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel) symbolisieren soll

Der Aussichtshügel, welcher die früheste Burgphase in Form einer sog. Motte (Befestigter Wohnturm auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel) symbolisieren soll

Nach der Begrüßung führten Justin Schmidt und Dr. Folke Damminger (Regierungspräsidium Karlsruhe, Archäologische Denkmalpflege) über den Tag verteilt mehrere Besuchergruppen zu den verschiedenen Stationen der Ausgrabung und gaben bereitwillig Auskunft über die abwechslungsreiche und komplexe Geschichte der Burg Wersau, sowie den aktuellen Stand der archäologischen Arbeiten. Erweitert wurde das Programm durch auf dem Areal verteilte Ausstellungsflächen, wo aktuelle und ältere Funde aus den Ausgrabungen zu besichtigen waren.

Justin Schmidt und Dr. Folke Damminger bei der Begehung der Ausgrabungsstellen

Justin Schmidt und Dr. Folke Damminger bei der Begehung der Ausgrabungsstellen

Justin Schmidt wusste die Besucher in seinen Bann zu ziehen

Justin Schmidt wusste die Besucher in seinen Bann zu ziehen

Hier konnte man Einblicke in die luxuriöse Ausstattung der Burg in Form von Ofenkacheln, Trinkgefäßen aus Glas und Keramik sowie große Metallbeschläge bekommen, während das Alltagsleben der Schlossmühle durch Pfeifenköpfe, Fingerhüte und schön glasierte Gefäße dargestellt war.

Nur ein kleines Beispiel der beeindruckenden Funde, die ausgestellt wurden

Nur ein kleines Beispiel der beeindruckenden Funde, die ausgestellt wurden

Die Wersau war eine recht luxuriös ausgestattete Burg

Die Wersau war eine recht luxuriös ausgestattete Burg

Reges Interesse der Besucher an den Ausstellungsstücken

Reges Interesse der Besucher an den Ausstellungsstücken

Hella Müller präsentiert die wertvollen Kachelfunde

Hella Müller präsentiert die wertvollen Kachelfunde

In den Führungen wurde die Bedeutung der Burg als Zoll- und Geleitburg sowie als Jagdschloss hervorgehoben. Nicht zu Letzt die Übergabe der päpstlichen Bulle zur Gründung der Universität Heidelberg im Jahr 1386 auf der Burg Wersau weist darauf hin, wie wichtig die Grenzburg im späten Mittelalter gewesen ist. Später wurden die Güter, welche auf der Burg und den damals zur Burg gehörenden Dörfer Reilingen und Hockenheim erwirtschaftet wurden, zu einem Großteil direkt an die Tafel der Heidelberger Kurfürsten geliefert, so dass auch hier eine enge Verbindung nach Heidelberg zu erkennen ist.

Neben dem archäologischen Programm zeigte der „Burgschmied“  Jürgen Dörfer seine Künste und wer wollte konnte sogar selbst dabei Hand anlegen.

Unser Burgschmied bei der Arbeit

Unser Burgschmied bei der Arbeit

Führungen über die Kisselwiesen

Parallel zu den Führungen auf dem Burgareal ließen Dieter Rösch zusammen mit Thomas Kuppinger auf dem angrenzenden Biotop „Kisselwiesen“ Einblicke in die Vergangenheit gewähren. Die in Waldnähe befindlichen Wiesen- und Ackerflächen wurden bis in die 1950’er Jahre mittels Grabensystem bewässert, um den Ertrag zu steigern. Hierzu wurde Wasser aus dem Kraichbach umgeleitet, um es über ein ausgeklügeltes System von Be- und Entwässerungskanälen zu den Wiesen und Äckern zu führen. Einige anwesende Zeitzeugen berichteten von dem hohen Pflegeaufwand, aber auch von überfluteten Flächen, die im Winter zufroren und die sogar die Möglichkeit zum Eislaufen boten. Durch den vermehrten Einsatz von Kunstdünger ab den 1960’ern wurden die Kisselwiesen jedoch bald nicht mehr geflutet.

Rundgang über die Kisselwiesen mit Dieter Rösch und Thomas Kuppinger vom BUND

Rundgang über die Kisselwiesen mit Dieter Rösch und Thomas Kuppinger vom BUND

Thomas Kuppinger über die Entstehung des oberrheinischen Grabenbruchs und über die Geschichte der Kisselwiesen

Thomas Kuppinger über die Entstehung des oberrheinischen Grabenbruchs und über die Geschichte der Kisselwiesen

Die Kisselwiesen waren natürlich ein Paradies für die Störche und so berichtete Dieter Rösch vom BUND über die Entwicklung der Population der beliebten Vögel. Besorgniserregend war damals, dass um 1974 kaum noch Störche gesichtet wurden. Als Gründe nannte er die austrocknenden Wiesen, ein knapperes Nahrungsangebot an Fröschen und Mäusen sowie Stromleitungen, die eine Gefahr darstellten. Glücklicherweise nimmt die Population des Storches seit mehreren Jahren wieder zu. Dieter Rösch informierte zudem, wie sich die Geschichte über das in Reilingen angesiedelte Storchenpaar zugetragen hatte. Aus Beständen der ENBW erhielt man einen ausgedienten Strommast, der zum Storchennest umfunktioniert wurde. Der Erfolg hielt aber leider nicht an, da das Storchenpaar sowie das Jungtier ein schweres Gewitter nicht überlebten. Dieter Rösch äußerte sich jedoch zuversichtlich, dass sich im nächsten Jahr wieder ein Storchenpaar in Reilingen niederlässt.

Dieter Rösch vom BUND erzählt Interessantes über die Störche

Dieter Rösch vom BUND erzählt Interessantes über die Störche

Einen herzlichen Dank an alle Beteiligten, die im Vorder-, aber auch im Hintergrund an der Veranstaltung mitgewirkt hatten!

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