Interview mit Justin Schmidt

Justin3Justin Schmidt ist Grabungsleiter bei den derzeitigen Ausgrabungen auf der Burg Wersau. Er war bei den Ausgrabungen dabei seit die Universität Heidelberg diese durchführt und hat dort seinen Magister in Archologie abgeschlossen. Das Interview führte Benny Schaich vom Förderverein Burg-Wersau e.V.

Hallo Justin, Du leitest als Archäologe derzeit die Ausgrabungen auf der Burg Wersau. Wie wird man das, Archäologe, und wie ist Dein persönlicher Werdegang?

Das ist natürlich nie das Gleiche. Jeder hat seinen individuellen Werdegang und somit ist das auch sehr individuell geprägt, gerade in der Archäologie. Es gibt insgesamt sehr wenige die das machen.

Mein persönlicher Weg fing eigentlich damit an, dass ich von der Schule mal ein Praktikum am Landesamt gemacht habe. Ich hatte den Gedanken daran vergessen, bis es dann um meine Studienwahl ging. Mir ging es vor allem darum, dass ich etwas theoretisches und praktisches kombinieren konnte. Ursprünglich dachte ich an eine Ausbildung, aber dann wollte ich doch wieder etwas Theorie-lastigeres. Für mich war das die perfekte Verbindung zwischen Theorie und Praxis. Beides kann sehr stark vertieft werden und so bin ich dann zur Archäologie gekommen.

Das Studium dauert unterschiedlich lange. Es gibt unglaublich viel Stoff. Und dementsprechend studieren viele die Archäologie machen etwas länger. Das ging mir auch ähnlich. Einfach weil ich in verschiedene Fachbereiche hineinschauen wollte. Ich bin dann letztendlich bei der Ur- und Frühgeschichte gelandet, welche die Urgeschichte Europas thematisiert und, die Antike überspringend, das Mittelalter in Europa thematisiert.

Es gibt für die klassische Antike die klassische Archäologie, dann nach geographischen Bereichen geordnet z.B. die Vorderasiatische Archäologie. Je nachdem was einen interessiert kann man sich da ausrichten. Das muss man dann aber erst herausfinden.

Du hast ja fertig studiert, heißt das bereits eine Promotion oder ein Diplom?

Weder noch, ich hab einen Magister gemacht, das ist die alte Studienordnung, sozusagen das Äquivalent zu einem Diplom. Das wird jetzt natürlich alles auf Bachelor und Masterumgestellt. Ich fange jetzt an mit meiner Promotion.

 Weißt Du schon das Thema?

(Lacht) zu dem Thema möchte ich mich lieber noch nicht äußern. Es besteht die Möglichkeit, dass dies in Zusammenhang mit der Burg Wersau stehen wird, aber sicher nicht primär.

Wie sieht so eine Karriere weiter aus? Du würdest dann promovieren und dann an der Uni weiter arbeiten oder wie geht das weiter?

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Das Arbeitsfeld der Archäologen ist ohnehin relativ eingeschränkt. Die wichtigsten Institutionen sind auf jeden Fall die Universität, also in die Lehre zu gehen.

Dann das Landesamt für Denkmalpflege, das natürlich viel praktischer orientiert ist. Wo man auch Ausbildungen machen kann, zumindest je nach Bundesland. Dort gibt es zum Beispiel Ausbildungen als Grabungstechniker. Das kann man machen ohne ein Studium absolviert zu haben.

Dann gibt es das Deutsche Archäologische Institut, das international operiert und vor allem internationale Grabungen leitet und koordiniert. Das ist aber schon sehr speziell, die haben daneben auch Projekte innerhalb des Landes die dann eher theoretisch ausgerichtet sind. Und dann gibt es auch noch die museale Arbeit, die vor allem auf Deutschland beschränkt ist.

Außerdem gibt es auch noch sehr viel Spezielles. In der Archäologie bekommt man eine sehr breite Ausbildung in Geschichte, dann spezialisiert man sich auf einen Fachbereich, meistens eine geographische Region oder einen bestimmten Zeitabschnitt.

Die meisten die das Studium abschließen bleiben gar nicht mal unbedingt in der Archäologie selber. Viele Arbeiten noch in Teilbereichen damit, gehen beispielsweise in die Medien oder Naturwissenschaften, die das mitbearbeiten. Da gibt es unglaublich vielseitige Möglichkeiten und das ist immer sehr individuell.

Mit Dir haben im Frühling weitere 30 Studenten an den Ausgrabungen gearbeitet, die das Studium gerade begonnen hatten. Wie muss man das einordnen? Wie viele von denen werden das Fach zu Ende studieren und wie viele werden letztendlich tatsächlich in diesem Beruf bleiben und wo?

Grob geschätzt, würde ich sagen, maximal die Hälfte. Man muss dazu sagen, dass etwa ein Drittel schon während des Studiums abspringt oder sich anders orientiert oder den Schwerpunkt wechselt.. Ein weiteres Drittel, dass sich nur zu einem Teil mit Archäologie weiterbeschäftigt und das letzte Drittel, welches tatsächlich da bei bleibt. Das ist schon eine relativ hohe Abschlagsquote. Das ist allerdings auch klar, denn die Arbeitsplätze für reine Archäologen sind schon relativ begrenzt. Natürlich muss man auch den wirtschaftlichen Faktor beachten: Von den Arbeitsplätzen die es gibt sind auch nicht sehr viele gut bezahlt.

Das ist natürlich auch eine Frage der Lebensvorstellungen und Entwicklung. Es gibt durchaus Möglichkeiten da gut zu verdienen aber man muss da mit sehr viel Idealismus herangehen und mit sehr viel Energie. Man muss an die richtigen Projekte kommen und, wie überall, die richtigen Kontakte knüpfen und die richtigen Ideen entwickeln. Dadurch wird das ganze sehr individuell.

Nach zwei Lehrgrabungen in Reilingen wurde erwogen diese in Zukunft noch öfter hier zu veranstalten. Wie weit sind diese Überlegungen gediehen?

Die Chancen sind extrem hoch, dass dies im nächsten Jahr wieder stattfindet. Da ist nur noch ein formaler Prozess der jetzt noch abgeklärt werden muss. Alle dafür verantwortlichen haben das bereits mündlich abgesegnet. Dementsprechend wird es im Frühjahr 2016 wieder eine Lehrgrabung geben. Die Entscheidung dazu wird jetzt Ende Juli veröffentlicht werden.

Da haben wir ja mal eine richtige Nachricht!

Von Universitätsseite besteht die Hoffnung, dass dies auch auf Dauer hier stattfinden kann, denn unsere ehemalige Lehrgrabung in Haßloch wird damit aufgegeben. Das war eine Grabung des Neolithikums zur Linienbandkeramik. Dort haben wir das Problem, dass die Funderhaltung wesentlich schlechter ist.

Justin Schmidt (unten rechts) mit interessierten Besuchern

Justin Schmidt (unten rechts) mit interessierten Besuchern

Das Gute auf der Burg Wersau ist, dass die Bedingungen hier optimal sind. Wir haben alles was man sich vorstellen kann von Mauern über sämtliche Befundarten, eine hervorragende Holzerhaltung, eine sehr schöne Stratigraphie. All dies sind Vorrausetzungen mit denen man Studenten sehr gut die Prinzipien in der Archäologie beibringen kann. Zumal wir ein großes Gelände haben, eine sehr gute Infrastruktur und es ist nahe an Heidelberg, wesentlich näher als die andere Lehrgrabung.

All dies sind perfekte Bedingungen für eine Lehrgrabung. Dementsprechend ist die Hoffnung auch auf meiner Seite groß, dass dies auf Dauer eine gute Kooperation wird.

Kommen wir zur Burg Wersau. Wir wissen, dass die Burg vom 13. bis ins 18. Jahrhundert gestanden hat und wir wissen, dass es hier auf dem Mühlengelände in Reilingen war. Was sind eigentlich die wesentlichen Erkenntnisse, die durch die Grabungen bisher über die Burg zu Tage getreten sind?

Das ist natürlich eine ganze Menge Stoff. Bevor man hier ausgegraben hat, also 2010, wusste man ja nur das in diesem Bereich irgendwo eine Burg verortet sein muss. Wieviel davon da ist wusste man überhaupt nicht. Nach der geophysikalischen Untersuchung gab es zumindest Anhaltspunkte dafür, dass es hier noch größere Konzentrationen an Steinen und Strukturen geben muss. Die hat man dann punktartig schon angegraben und dabei stellte sich heraus, dass es massive Mauern gibt, also hat hier einmal etwas Größeres gestanden.

Die Erkenntnis darüber wie gut die Erhaltungsbedingungen tatsächlich sind, kam eigentlich erst im Laufe des letzten Jahres. Seitdem das Gebäude der alten Mühle abgerissen wurde konnten wir erstmals in einen Bestand hineinschauen, der über viele Jahrhunderte geschlossen und versiegelt war. Und das ist sehr gut!

Wir konnten uns anschauen was in der modernen Mühle an älteren Bauphasen steckt. Wie sich herausgestellt hat sind das einige. Die gehen auf jeden Fall in das 16., vielleicht auch das 15. Jahrhundert zurück. Einige der jüngeren Phasen kennen wir in Form von Plänen und es ist spannend zu versuchen diese Entwicklung im Baubestand archäologisch nachzuvollziehen

Hinzu kommt, dass wir herausgefunden haben, dass unter dem Mühlengebäude deutlich ältere Strukturen der Burg liegen. Wir haben einen vermutlich aus dem 14. Jahrhundert stammenden Wehrturm gefunden, Teile der Burgmauer-Umfassung bzw. ein Brückenwiderlager das ursprünglich wahrscheinlich die Eingangsbrücke gestützt hat.

. Durch den Vergleich mit den Plänen aus dem 17 Jh, wissen wir jetzt auch ziemlich genau wo wir uns in der alten Burg befinden, nämlich im ehemaligen Eingangsbereich. Das sind die jüngsten Erkenntnisse.

Auch wissen wir jetzt, das die Mühle bereits während der Burgzeit bestand hatte, dass sie ein sehr vielseitiges Leben hatte, Zerstörungen aufweist und damit sehr viele Umbauphasen. Wir können mindestens zwei Mühlräder fassen von denen eines deutlich älter ist, also wahrscheinlich ins 17. Jhdt., von der Mauertechnik aber eher ins 16.Jhdt zurück geht.

So genau kann man das sagen?

Ja, das Mauerwerk weist zumindest darauf hin. Die alte Mühlradeinlassung ist in das Mauerwerk eingegliedert, dementsprechend muss das ursprünglich dazu gehört haben. Dann gibt es eine modernere Mühlradeinlassung die ohne Rücksicht auf den Mauerschnitt da hineingesetzt worden ist. Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass die alte Einlassung durch einen Brand zerstört wurde. Deshalb musste man das Mühlrad verschieben.

Universität Heidelberg gräbt nach ihren Wurzeln

Studenten der Universität Heidelberg bei der Arbeit

Zusätzlich zu all dem konnten wir den Mühlkanal jetzt besser lokalisieren. Wir haben den Unterbau des Mühlkanals freilegen können und einen Teil seines Verlaufs rekonstruieren können. Deshalb sind wir jetzt deutlich klarer mit der Positionierung der alten Pläne, der Position der Mühle und der Vorburg, sowie der Nachnutzung des Areals.

Im Bereich innerhalb der Mühle wurden die alten Mühlsteine gefunden, die nicht mehr in Situ liegen (d.h. nicht im Orinigalkontext). Ursprünglich wurden diese auf einer hölzernen Konstruktion gelagert, der sogenannten Mahlbühne. Diese ist natürlich nicht mehr vorhanden und ist vermutlich im Zuge eines Brandes oder Abrisses zerstört worden. Die Mühlsteine selbst sind allerdings innerhalb der Räumlichkeiten geblieben.

Ein Teil des ehemaligen Mahlraumes haben wir noch nicht ausgegraben. Das werden wir dann im Laufe der nächsten Lehrgrabung tun. Denn wir haben von der Seite einen Einblick in diesen Raum, der jetzt noch verfüllt ist. Wir haben eine Mauer weggenommen und konnten uns die Stratigraphie der Nutzungsphasen anschauen. Die Aufgabe der Studenten wird es dann sein diese Stratigraphie in der Fläche auszugraben und vergleichend auszuwerten.

Das ist ein sehr anschauliches Projekt und ich erhoffe mir da weitere Erkenntnisse über den ehemaligen Mühlraum.

Wissenschaftler lassen ja häufig verlauten, das jede Antwort neue Fragen aufwirft. Gibt es neue Fragestellungen, die sich hier ergeben haben?

Natürlich eine ganze Menge und das ist auch gut so denn davon lebt die Archäologie. Ein Beispiel: Wir haben jetzt erste Erkenntnisse über den Eingangsbereich der Burg gewonnen. Allerdings passt das mit vielen anderen Befunden gar nicht so überein wie wir uns das vorgestellt hatten. So wurde in den ersten Grabungen 2010 bereits ein großer Block gefunden, der als Brückenfundament interpretiert wurde. Der passt von seiner Ausrichtung gar nicht zu dem was wir jetzt ausgegraben haben und so stellen sich die Fragen: Haben wir hier eine Mehrphasigkeit der Brücke? Ist es überhaupt eine Brücke ? Und wenn nicht, Gibt es Bauten vor den Burgmauern von denen wir nichts überliefert haben? Mehrphasigkeit der Burg?

Die meisten Fragen ergeben sich aus solchen Diskrepanzen der Mauern oder Bodenbefunde.

Andere Fragen ergeben sich aus den Funden die wir gemacht haben, so zum Beispiel wie man von Ihnen auf die unterschiedlichen Lebensweisen auf der Burg in den verschiedenen Nutzungszeiten schließen kann Wir haben viele Funde gemacht die von der gehobenen Ausstattung der Burg berichten, wie etwa die Ofenkacheln und feine Trinkglasfragmente. Diese Phase der Kurfürstlichen „Residenz“ und der Nutzung als Jagdschloss lässt sich somit noch verhältnismäßig leicht fassen. Schwieriger wird es bei der Nachnutzung des Geländes als Kellerei und Wirtschaftshof: Was wurde hier Produziert? Wer lebte hier und wie?

An die Burg stellen sich die Fragen nach ihre Wehrhaftigkeit und ihre Funktion zum Beispiel als Zoll- und Schutzburg und wie sich das in den Funden niederschlägt.

Und dann geht es auch darum, irgendwann in der weiteren Zukunft die frühesten Nachweise für die Burg zu finden.

Das ist meine nächste Frage: Gesicherte Erkenntnisse über die Burg haben wir nur bis zurück ins Hochmittelalter. Einige Funde scheinen aber noch weiter zurück zu gehen. Kannst Du dazu schon etwas sagen?

Wir hatten 2012 Ausgrabungen durchgeführt die eigentlich die ehemalige Motten-Aufschüttung erfassen sollte. Soweit wir uns dafür richtig positioniert haben, konnten wir nicht allzu viel davon finden. Das muss nicht bedeuten, dass da tatsächlich nichts ist. Man kann immer noch falsch gelegen haben und sich die falschen Orte ausgesucht haben.

Die Burg ist sehr stark abgerissen und in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Hoffnung bleibt, dass wir, wenn einmal der Kernbugbereich großflächig ausgegraben wird, dann noch Kenntnisse über die alten Burgbestände gewinnen können. Man muss aber davon ausgehen, dass der Abriss der Burg und die Nachnutzung sehr viel Schaden angerichtet hat.

Ich hoffe aber, dass man die frühe Phasen der Burg zumindest im keramischen Spektrum fassen kann. Und da fehlen uns erstaunlicherweise auch noch eindeutige Funde. Komischerweise haben wir dann wieder ganz alte Funde in bestimmten Bereichen die vielleicht sogar in die Bronzezeit zurückführen.

Justin Schmidt mit der AG Archäologie des Friedrich Gauß Gymnasiums Hockenheim

Justin Schmidt mit der AG Archäologie des Friedrich Gauß Gymnasiums Hockenheim

Das ist etwas womit wir hier überhaupt nicht gerechnet haben. Uns fehlt der Besiedlungsanschluss und denwerden wir sicher auch nicht finden. . Wahrscheinlich hat es eine Unterbrechung der Besiedelung gegeben bis man sich um das 12 Jh. herum hier erneut angesiedelt hat. Es stellt sich sowieso die Frage, warum man sich genau hier angesiedelt hat. Man muss sich vorstellen, dass die Umgebung relativ feucht und morastig ist und der Bereich hier (auf der Burg) ist nur ein kleiner Hügel, der sich hier als Dünung aus dem Morast heraushebt. Es gibt deutlich bessere Dünungen hier in der Umgebung, die sich besser eignen würden.

Ein Grund könnte sein, dass hier bereits eine gewisse Infrastruktur vorhanden gewesen ist. Meine Vermutung ist, dass dies in Zusammenhang mit einer Wegestruktur steht, die in Richtung Speyer führt.

Einige Spezialisten glauben auf dem Gelände der Burg ein römische Pflaster erkannt zu haben

Ich muss ganz ehrlich gestehen das mir das nicht bekannt ist.

Ich bin da skeptisch. Es gibt natürlich in dieser Region sehr viele Hinterlassenschaften der Römer. Trotzdem muss man da Vorsichtig sein. Viele dieser Artefakte können auch herbeigeschleppt worden sein. Alte Gebäude könnten abgetragen und Teile sekundär verbaut worden sein.

Normalerweise ist das so: Wenn die Römer hier ansässig gewesen wären, würde man das sofort merken. Denn die hinterließen immer sehr viele Spuren und große Materialmengen und das ist schwierig zu übersehen. Das Material mischt sich sehr schnell mit dem was man vorfindet, gerade weil wir hier große Planierungsbereiche haben.

Also wie in Italien etwa, wo man immer wieder Kalksäulen in jüngere Gebäude eingebaut sieht?

Kalksäulen sind hier in der Gegend eher unwahrscheinlich, aber die Keramik ist sehr auffällig und wurde sehr viel genutzt zum Beispiel in einer kleinen Villa oder so. Man würde das auf jeden Fall im keramischen Spektrum sofort erkennen. Aber wer weiß, die Wersau steckt voller Überraschungen!

Wissenschaftler leben praktisch von Veröffentlichungen über Ihre Arbeit. Ist Dir bekannt, dass Kollegen über oder mit Erkenntnissen der Burg Wersau arbeiten und woran?

Das ist eine heikle Sache. Jeder versucht sich ein kleines Spezialgebiet zu sichern und da wird dann auch relativ Eifersüchtig darauf gesessen. Das ist ein Problem, weil man ja damit eigentlich in die Öffentlichkeit gehen soll. Ich finde es persönlich nicht gut, wenn sich jemand stark Verschließt. Andererseits hat das natürlich auch eine gewisse Berechtigung, da bei parallelem Arbeiten an derselben Sache die gesamte Arbeit desjenigen der später veröffentlicht wertlos werden kann.

Das versucht man natürlich zu vermeiden. An der Wersau gibt es mit Sicherheit Niemanden der gerade in größerem Umfang forscht, denn der wäre dann hier und würde versuchen Kontakt aufzunehmen. Es kann sein, dass die Namen der Burg erwähnt werden wenn jemand regionale Forschung betreibt. Aber eine eigene Arbeit, dafür müsste man sich sehr viel intensiver damit auseinander setzen. In der reinen Wissenschaft ist das sicher nicht der Fall. Momentan wäre ich auch sicher der beste Kandidat das in Angriff zu nehmen.

Was es natürlich gibt, ist die Arbeit des Landesamt für Denkmalpflege, die sogar verpflichtet sind solche Vorgänge mindestens in Form eines Artikels zu veröffentlichen. Da das Landesamt eine Institution des Landes ist muss sie auch über Ihre Tätigkeit Rechenschaft ablegen. Abgeschlossene Grabungen werden auf jeden Fall publiziert. Hier bei uns ist die Grabung noch am Laufen also kann man nicht alles publizieren, damit man nicht Ergebnisse vorschnell präsentiert die noch gar nicht gesichert sind. Diese Aufgabe wird wohl mir und Herrn Damminger zufallen und gegen Ende des Jahres wird wahrscheinlich ein Artikel publiziert werden.

Was hältst du persönlich für den schönsten Fund auf der Burg?

Oh. Das ist sehr schwierig. Mich persönlich hat sehr gefreut, dass wir eine große Anzahl an Ofenkacheln gefunden haben. Vor allem ein hat mich sehr fasziniert, die hat uns tatsächlich einmal einen Hinweis darauf gegeben wo wir uns zeitlich befinden. Das ist eine Kachel die 1686 datiert wird, 1689 möglicherweise. Auf der steht eine Inschrift, Vermutlich Herzog Friedrich, Pfalzgraf. Die gibt uns wie gesagt einen Hinweis wo wir uns zeitlich befinden und mit wem wir es zu tun haben. Es gibt ein exaktes Äquivalent dieser Kachel aus Heidelberg von der Grabung auf dem Kornmarkt. Das ist auch eine Bestätigung dafür, dass die Verbindung zu Heidelberg nach wie vor bestand und wichtig war.

Der Zusammenhang mit Heidelberg zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Burg Wersau. Man weiß ja dass die Urkunde zur Gründung der Universität in der Burg 1386 übergeben wurde und wir wissen, dass die Burg auch als Wirtschaftshof immer direkt die Tafel des Kurfürsten beliefert hat. Das ist für mich ein schönes Zeichen, dass diese Verbindung auch zwischen dem dreißigjährigen Krieg und dem pfälzischen Erbfolgekrieg , bei denen auch das Heidelberger Schloss zerstört wurde nach wie vor bestand. Mit der heutigen Kooperation zwischen Reilingen bzw. dem Arbeitskreis Wersau und der Universität Heidelberg, hoffe ich an diese Verbindung der beiden Orte anknüpfen zu können und einen Teil der lokalen Geschichte wieder ins Bewusstsein der Menschen zu bringen.

Vielen Dank Justin für diese umfassenden Auskünfte. Sicher wird man Dich noch oft auf der Burg Wersau antreffen, was wir Hoffen.

 

 

 

 

Stratigraphie: Die Stratigraphie ist ein Teilgebiet der Archäologie und hilft bei der relativen archäologischen Altersbestimmung von Ablagerungen. Als archäologische Stratigraphie bezeichnet man die bei einer Ausgrabung in einem vertikalen Profil feststellbare Abfolge von Straten (lat. stratum, Pl. strata, zu sternere „ausbreiten“: „Schicht“), die durch natürliche und anthropogene Ablagerungen sowie Baumaßnahmen (Aufschüttung, Graben, Schacht, Brunnen, Pfostenloch, Planierung, Verfüllung etc.) entstanden ist. Quelle: Wikipedia

 

 

 

One Reply to “Interview mit Justin Schmidt”

  1. … allerhöchsten Respekt für die archäologischen Leistungen – aber zu glauben, dass es sonst keine wissenschaftlichen Aktivitäten rund um die Wersau gibt, ist dann aber doch ein – wenn auch kleiner – Irrtum:
    So ist derzeit ein Trierer Geograph am Thema „Die Burg Wersau und ihre Bedeutung als historische Wegmarke“, ein KIT-Geologe untersucht die verschiedene Siedlungsmarken rund um die Wersau und eine angehende Historikerin aus Mainz hat sich die Burg Wersau als ein Bestandteil ihrer Masterarbeit ausgesucht …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.